
Zum Projekt:
Refugee Republic 3.0
[an der HFG Karlsruhe]
Aus verschiedensten, oft disparaten Perspektiven beleuchten, untersuchen und brechen wir die weltweite Migrationssituation auf. Mit dem ursprünglichen Ansatz nicht als Integrationshelfer oder Ankläger misslicher Situationen, sondern eher als Reiseleiter unfreiwilliger Touristen, sehen wir uns auch als Abenteurer und Chronisten spekulativer Weltgeschichte.
Das in den 1990er Jahren initiierte Projekt ‚Refugee Republic‘ ist unser konzeptioneller Ausgangspunkt. Interdisziplinär lassen wir uns auf Geflüchtete, Spekulanten, Studenten, Beobachter, Aktivisten, Politiker, Architekten, Künstler, Journalisten, Geographen und Wissenschaftler ein, versuchen aus den isolierten Problemansätzen strategisch-utopisch anmutende, dennoch nicht unrealistische Perspektiven zu synthetisieren und als Hoffnungsschimmer den pessimistisch-simplistischen Klägerstimmen überzuziehen.
Die Welt leidet laut- und bildstark unter den Sekundärphänomenen der erfolgreichsten entwicklungsgeschichtlichen Phase der Menschheit. In den letzten 50 Jahren hat sich die Weltwirtschaft verfünffacht. Die Kindersterblichkeit ist dramatisch gesunken, die Lebenserwartung ist im gleichen Zeitraum von knapp über 50 nun weltweit auf über 70 gestiegen, nie starben weniger Menschen durch Kriegshandlungen, Tendenz sinkend. Das Bewusstsein unserer Zeitgenossen über diese phantastischen Erfolge scheint jedoch getrübt.
So deuten wir die vermeintliche Schreckensnachrichten von 65 Millionen Menschen auf der Flucht nicht nur als Indiz des Versagens von Politik und Kriegsbrutalität, sondern lesen gleichzeitig: „65 Millionen weniger Katastrophen- und Kriegsopfer”. Flucht versuchen wir also als missglückten, enttäuschten Tourismus zu verstehen. Als Zielland dieses Tourismus gibt es gestalterische Aufgaben die Reise Erfahrung zu einer erwünschten zu machen, dass Ort nicht nur als Refugium akzeptiert, sondern als Ziel gewünscht und ersehnt wird - auch ohne die vorgehaltene Pistole.
Es geht darum, den Sinn, die Bedeutung der Existenz die ästhetisch kodiert und formuliert ist und in der Wahrnehmung des Schönen entschlüsselt und entfaltet werden kann, zu vermitteln und zu teilen, zu einem neuen Gemeinsamen zu machen. So sind wir mitten in einem Prozess kultureller Anpassung an eine sich extrem schnell verändernde Umwelt, zu dessen sehr sichtbaren Symptom und sinnfälligen Ansatzpunkt die Flüchtlinge zählen. An diesem Prozess einer neuen Synthese wollen wir mitarbeiten.
Dies sind die ersten Versuche eines Engagements, allesamt unabhängig aus eigener Initiative der Studenten entstanden und hier unter dem Label der Refugee Republic zusammengeführt.
Ein staatenloser Staat unfreiwilliger Gemeinsamkeiten: Jenseits von Ursachen und politischer Verantwortung sind Flüchtlinge und Migranten seit Jahrhunderten (siehe die großen Völkerwanderungen) ein historisches Phänomen, was u.a. das mächtigste Land der Welt hervorgebracht hat: die Vereinigten Staaten von Amerika. Eine statistisch emotionslose Perspektive mag helfen nicht nur individuelle Tragödien und Traumata einzuordnen sondern auch das Phänomen zu kontextualisieren und im besten Sinn des Wortes zu instrumentalisieren. Wir werden uns sowohl als Reiseleiter unfreiwilliger Abenteurer verstehen als auch als Chronisten spekulativer Weltgeschichte. In diesem Seminar werden wir uns in mehreren Phasen der ‚Materie‘ psychologisch, real und medial in Selbstversuchen aussetzen. Das aus den aus den 1990er Jahren initiierte Projekt ‚Refugee Republic‘ wird konzeptioneller Ausgangspunktsein. Wir werden uns kritisch damit auseinandersetzen, nach seiner Nützlichkeit fragen und es im Hinblick auf seine aktuelle Wirksamkeit überprüfen“,
Ali von Zielinski hat fuer uns die Flüchtlingslager in der Nähe von Calais aus der Sicht von Helfern und Helfenden be- und untersucht. .
Wir überlegen ein Gütesiegel für und von Flüchtlingsprodukten zu entwickeln.
Wie kann eine Waehrung aussehen, die fuer die Flucht besondere Vorteile und Sicherheiten bietet? Wie übersetzen wir American Express Traveller's Cheques ?
Ist Integration lediglich das Einfügen in ein Bestehendes oder gibt es Perspektiven und Vorstellungen einer Zukunft, jenseits der Integration, die auch über eine kulturelle Synthese hinausgehen?